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Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens (1921/22) Regie: Friedrich Wilhelm Murnau Buch: Henrik Galeen; nach dem Roman "Dracula" von Bram Stoker Kamera: Fritz Arno Wagner Bauten: Albin Grau Kostüme: Albin Grau Darsteller:Max Schreck, Alexander Gränach, Gustav von Wangenheim, Greta Schröder, Georg Heinrich Schnell, Ruth Landshoff, John Gottowt, Gustav Botz, Max Nemetz, Wolfgang Heinz, Albert Venohr, Guido Herzfeld, Karl Etlinger, Hardy von Francois, Heinrich Witte. Länge: 5 Akte, 1967 m Uraufführung: 4.3.1922, Berlin (Marmorsaal, Voraufführung); 15.3.1922, Berlin (Primus-Palast)
NOSFERATU, EINE SYMPHONIE DES GRAUENS - von Henrik Galeen nach dem Vampir-Roman «Dracula» von Bram Stoker geschrieben und von Fritz Arno Wagner fotografiert - gilt als einer der Höhepunkte des deutschen Stummfilms. «Das Neue, bisher Unübertroffene dieses Films ist, daß er die latente Poesie der Natur sich zu Dienste macht. Das ist auch seine besondere künstlerische Bedeutung. Das spezifisch Filmmäßige dieses Werkes liegt nämlich darin, daß es am stärksten nicht durch den gedanklichen Inhalt seiner Fabel, sondern durch den Stimmungsinhalt seiner Bilder wirkt.» (B. Balázs, Der Tag, 9.3.1923)
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Ein Bremer Grundstücksmakler sendet einen jungverheirateten Mitarbeiter in die Wälder der Karpaten zu einem Grafen, mit dem er geschäftliche Dinge regeln soll. Schon die Reise ist voller unheimlicher Anzeichen: Nebel, scheuende Pferde Wölfe, geisterhafte Vogelgestalten lassen nichts Gutes ahnen. Aber die Reise ist nur ein harmloses Vorspiel für das, was den jungen Mann auf dem Schloß Nosferatus erwartet. Nach seiner Ankunft durchwandert er auf der Suche nach seinem Gastgeber dessen unheimliches Schloß. Er zieht durch die schaurig morbide Atmosphäre von leeren Sälen und Kellergewölben. Endlich entdeckt er Nosferatu in einem Sarkophag liegend, mit offenen Augen, wie ein Leichnam erstarrt. Nosferatu ist ein Vampir, der tagsüber schläft und nachts aufbricht, um Menschen mit einem tödlichen Biß das Blut auszusaugen. Er überfällt auch seinen Gast, läßt aber von seinem Opfer ab, weil im entscheidenden Augenblick im fernen Bremen die Frau des Bedrohten aus dem Schlaf erwacht und den Namen ihres Mannes ausspricht. Diese Szene verleiht der Liebe eine telepathische, vor dem Ungeheuer schützende Kraft. Entsetzt flieht der Mann aus dem Schloß Nosferatus, der ihn aber verfolgt. Wo Nosferatu auftaucht, schwärmen Ratten aus, fallen Menschen tot um, verbreitet sich die Pest. Nosferatu geht an Bord eines Segelschiffes. Die Mannschaft stirbt, aber das Totenschiff segelt wie von Zauberhand gesteuert durch das Meer. Zur gleichen Zeit erreichen die beiden Männer Bremen. Sogleich bricht auch hier die Pest aus, als der Vampir an Land geht. Der Film endet damit, daß die Frau des Verfolgten dem todbringenden Ungeheuer furchtlos entgegentritt. Durch die Kraft ihrer Liebe bannt sie seine Gewalt. Als sie mit ausgestreckten Armen auf den Vampir zugeht, geschieht ein rettendes Wunder: Die ersten Strahlen der Morgensonne leuchten auf, und der Vampir löst sich in Nichts auf. Dieser Films Murnaus basiert, wie viele andere Vampirfilme, auf dem 1897 geschriebenen Schauerroman "Dracula" von Bram Stoker. Murnaus Szenarist Henrik Galeen hatte schon 1915 zusammen mit Paul Wegener das Buch zu dem Horrorfilm GOLEM verfaßt. NOSFERATU knüpft an ähnliche Stoffe wie DAS KABINETT DES DR. CALIGARI an. Der damals dreißigjährige Regisseur Murnau verwischt hier meisterhaft die Grenzen zwischen (Alp-)Traum und Wirklichkeit. Die gegenständliche Welt ist von Ahnungen und Visionen durchsetzt. Die Atmosphäre des Grauens, auf die jede Einstellung abhebt, beruht nicht - wie bei modernen Horrorfilmen - auf Schockeffekten, sondern auf der Art der Darstellung. Landschaften, Gebäude und Menschen erhalten eine unheimliche Physiognomie. Typisch für Murnaus Stil ist es, daß ein Großteil der beklemmenden Stimmungen in NOSFERATU durch Details hervorgerufen wird, z.B. durch die von selbst weiterschaukelnde Hängematte des toten Matrosen. Immer wieder verharrt die Kamera auf Requisiten, die eine wesentliche, oft symbolische Bedeutung für die Handlung gewinnen. Ähnlich verhält es sich mit der Mimik der Schauspieler. Durch Großaufnahmen wird jeder Gesichtszug analysiert und dem dramaturgischen Ablauf dienstbar gemacht. Große Gefühlsausbrüche zeigen sich meist nicht in stark expressiven Gesten, sondern in winzigen Veränderungen der Gesichtszüge. Murnaus Kamerastil ist in vielen Zügen geradezu revolutionierend gewesen. In seinen Filmen ist nicht der Schauspieler, sondern die Kamera der aktive Teil. Sie umkreist den Darsteller und nimmt jede seiner Bewegungen aus dem günstigsten Blickwinkel auf. Die Technik der bewegten Kamera und der Umgang mit der Tiefenschärfe wurden mit den damals fortgeschrittensten Methoden der Filmmontage kombiniert. Murnaus Inszenierung dieser "Symphonie des Grauens" (so der Untertitel von NOSFERATU) läßt auch heute noch jenen metaphysischen Horror ahnen, den Belá Balász (in "Der sichtbare Mensch") als "frostigen Luftzug aus dem Jenseits" bezeichnete. Über die Ökonomie der Arbeitsweise Murnaus vermerkte Lotte Eisner: "In einem Film von Murnau hat überdies jede Einstellung ihre bestimmte Funktion in der Handlung. Wenn Murnau uns den Hafen am Abend zeigt, so sucht er nicht den pittoresken Anblick von Schiffsmasten, die sich vom dunklen Hintergrund abheben, sondern er bringt diese Szene, weil hier eine der verdächtigen Sargkisten geöffnet werden kann und das Rattengewimmel, das sie enthält, uns auf kommendes Unheil vorbereitet. Und wenn er danach einen Augenblick die geschwellten Segel in Großaufnahme zeigt, so ist diese Einstellung genauso notwendig wie jene von den Stromschnellen, auf denen ein Floß die verhängnisvolle Sarglast mit sich führt." (aus: "Die dämonische Leinwand") Jan Thorn-Prikker
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