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1920 s/w Regie: Paul Wegener / Carl Boese Mit Albert Steinrück, Ernst Deutsch, Lyda Salmonova, Otto Gebühr, Paul Wegener
Der Habsburger Kaiser hat ein Edikt erlassen, die Juden aus dem Prager Ghetto voller enger Gassen und niedriger Häuser zu vertreiben. In dieser Situation soll der Rabbi Loew der jüdischen Gemeinde helfen. Er erhält eine Audienz beim Kaiser und versucht, diesen mittels Zauberei zu beeindrucken. Als Instrument und Ausdruck seiner übernatürlichen Kraft hat er den Golem geschaffen, eine Art Kunstmensch, ein mit ungewöhnlicher Kraft ausgestattetes Wesen. Vor dem Kaiser gibt der Rabbi eine Probe seiner magischen Kunst und führt ihm eine biblische Szene vor. Während der Vorstellung darf niemand sprechen, wenn nicht etwas Furchtbares geschehen soll. Als dennoch gesprochen wird, erbeben die Mauern, und der Palast droht einzustürzen. Der Kaiser verspricht, sein Vertreibungsedikt zurückzunehmen, wenn der Rabbi die Gefahr bannt. Daraufhin stützt der Golem auf Geheiß seines Meisters die Saaldecke und wendet die Gefahr ab. Diesem Handlungsstrang ist eine Nebenhandlung hinzugefügt, die zeigt, wie das Kunstwesen Golem sich verselbständigt. Aus der abhängigen Kreatur droht ein übermächtiges Wesen zu werden. Es is das alte Motiv des außer Kontrolle geratenen Zaubermittels. Ein eifersüchtiger Lehrling des Rabbi benutzt den Golem, um sich an einem Nebenbuhler zu rächen. Als Instrument des Eifersüchtigen mißbraucht, mordet der Golem, setzt ein Haus in Flammen und flieht mit einer jungen Frau auf den Armen vor die Tore des Ghettos. Erst ein Kind kann dem Zauberwesen seine Macht nehmen. Voller Unschuld reicht es dem Ungeheuer einen Apfel und greift nach einem blitzenden Stern an seiner Brust. Gerade dieser Stern aber war das geheime belebende Zentrum der Kraft des Golem. Ohne dieses Zeichen ist seine Macht geschwunden. Er bricht zusammen. Das Motiv des aller Kontrolle entglittenen, selbstgeschaffenen Zauberinstrumentes ist ein alter Bestandteil der Literatur. Das Produkt wendet sich gegen den Schöpfer, der Diener gegen seinen Herrn, das Instrument gegen seinen Zweck. Aus dem Instrument der Befreiung wird eine furchtbare Bedrohung. Verschiedene Aspekte dieses Motivs tauchen in der Filmgeschichte immer wieder auf. Paul Wegener setzt dieses Motiv ein, um zunächst vom Versuch des Rabbis zu erählen, mittels der Erfindung eines rohen Gewaltwesens die bedrohte jüdische Gemeinde zu retten. Danach konzentriert er sich aber auf die gruselig sentimentale Darstellung der Verselbständigung des Instruments. Wegener begnügt sich nicht damit, den tönernen Koloss nur agieren zu lassen. Bei ihm bleibt die künstlich geschaffene Kratur nicht allein fühlloses Werkzeug ihres Schöpfers. Die Begegnung mit dem Schönen weckt in der geschaffenen Kreatur den Wunsch nach einem eigenen Leben. Erst durch diesen inneren Widerspruch wird der Golem neben Rabbi Loew zur Hauptfigur. Der Film lebt vom Phantastischen und Märchenhaften seiner dargestellten Welt. Darin ist er anderen Filmen dieser Zeit in Deutschland ähnlich. Allesamt verinnerlichen sie die Schrecken der Nachkriegsepoche und machen so aus dem wirklichen Grauen der Nachkriegsjahre den Grusel des Films. Hier ist es die im Stil einer alten Chronik gestaltete phantastische Legende, die den Vorwand liefert, das alte Motiv, vermischt mit Elementen einer historischen Handlung, in massenwirksame Unterhaltung zu verwandeln. Das Schwergewicht liegt dabei auf der filmischen Konstruktion einer unwirklichen Scheinwelt. Für diesen Film hatte man einen der damals bekanntesten Architekten, Hans Poelzig, gewonnen. Er entwarf die Filmbauten. Er betonte in der Nachgestaltung des Ghettos das Labyrinthartige, Enge und Dunkelheit, und setzte dieser Welt die Macht und Starrheit des Hofes als Kontrast entegen. Eine sorgfältige Lichtregie verleiht dem Film seine beeindruckende Atmosphäre. Lichteffekte werden benutzt, um die Welt der Magie und des Zaubers visuell umzusetzen. Mit Karl Freund setzte Wegener einen der berühmtesten Kameramänner ein. Er hat u.a. in Murnaus DER LETZTE MANN (1924) und Fritz Langs METROPOLIS (1926) die Kamera geführt. Jan Thorn-Prikker
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