Werner Küspert
Werner Küspert

“Jazz von heute für Filme von vorgestern

Kleine Kammerensembles neben großen Leinwänden: „Küspert & Kollegen“ greifen die Atmosphäre des klassischen Horror-Stummfilms „Nosferatu“ ebenso auf wie von Slapstick und Melodram. Und richten sich an ein Publikum des Jahres 2016: „Meine Musik soll nicht wie traditionelle Stummfilm-Musik klingen, sondern zeitgenössisch und unvorhersehbar“, sagt der Gitarrist und Komponist Werner Küspert.

Auf Film- und Jazzfestivals ist die Gruppe ein gut eingeführter Name. Darin spielen wechselweise die Saxophonisten Till Martin und Hubert Winter, die Kontrabassisten Rudi Engel, Dietmar Fuhr und Andreas Kurz. Mit Bastian Jütte und, ab Herbst, Henning Sieverts sind zwei aktuelle Träger des Neuen Deutschen Jazzpreises im Künstler-Pool.

Der Leader und Arthouse-Kinogänger trat bis vor einigen Jahren häufig mit kleiner Besetzung zu Kinoklassikern in regionalen Lichtspielhäusern auf. Danach arbeitete er vor allem als Bühnenmusiker, wobei sich etliches kreatives Potenzial anstaute. „Fürs Theater zu spielen war Handwerk“, sagt der Wahlwürzburger, „da ist keine Individualität gefragt.“ Im vergangenen Sommer hatte er dann lange genug Zurückhaltung geübt: „Es muss etwas passieren, ich wollte wieder etwas Eigenes.“
Ca. 25 Filmmusiken hat er inzwischen aktuell im Repertoire.

Mindestens 30 Mal sieht sich Werner Küspert einen Film an, bevor er zu komponieren beginnt. Ist dann, nach Wochen, das Skript verteilt, arbeitet sich jeder Instrumentalist in seine Rolle rein. Dann probt das Ensemble einen Tag lang zusammen.  Die Scores sind minutiös schriftlich vorbereitet, denn: „Die Kommunikation auf der Bühne ist schwierig“, gibt der 53-Jährige zu bedenken: „Es ist dunkel, die Musiker stehen mit dem Gesicht zur Leinwand.“ Und spielen unterschiedlich stark auskomponierte Titel, alle lassen den Künstlern Freiräume. Wobei dem Komponisten auch die Stille sehr gefällt. Aber: „Mancher Musiker kann das schwer aushalten…“

Die Quartettformation ist für die fragile Kommunikation optimal. Sicher versteht man sich leichter im Duo. Vor allem mit dem Saxophonisten Hubert Winter gibt es „blindes” Verstehen. Wenn Winter spielt, dann kann ich mir sicher sein: Das ist geschmacks- und stilsicher auf den Punkt gebracht.“ Duo und Trio sind also einfacher auf der Bühne zu handhaben: „Aber eine größere Besetzung bietet natürlich mehr kompositorische Möglichkeiten.“
JFi
 

 

 

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