Werner Küspert
Werner Küspert

“Jazz von heute für Filme von vorgestern”

Kleine Kammer-Ensembles neben großen Leinwänden: „Küspert & Kollegen“ greifen die Atmosphäre des klassischen Horror-Stummfilms „Nosferatu“ ebenso auf wie von Slapstick und Melodram. Und richten sich an ein Publikum des Jahres 2016: „Unsere Musik klingt nicht wie traditionelle Stummfilm-Musik, sondern zeitgenössisch und unvorhersehbar“, sagt der Gitarrist und Komponist Werner Küspert. „Küspert & Kollegen“ haben sich bereits durch die ganze Frühgeschichte der Kinokunst gearbeitet. Werner Küspert fand  kino-erfahrene  Musiker, die hohe Kunstfertigkeit mit viel Gefühl für die Filmsituationen verbinden; die Kollegen sind gefragte Konzert- und Studiokünstler mit internationalen Engagements. Werner Küspert schreibt für sie zeitgemäß-jazzige Musik - teilweise auf punktgenauen Einsatz komponiert, während andere Passagen viel Raum für Improvisation lassen.

„Küspert & Kollegen“ ist ein gut eingeführter Name in der Jazz- und Cineasten-Szene. Im Ensemble spielen wechselweise:
Reeds:
Till Martin
(Preis der deutschen Schallplattenkritik, Neuer Deutscher Jazzpreis etc.)
Hubert Winter (Michael Wollny etc.)
Schlagzeug:
Bastian Jütte
(Jazz Echo, Neuer Deutscher Jazzpreis 2016 etc.)
Kontrabass:
Henning Sieverts
(Jazz Echo, Neuer Deutscher Jazzpreis 2016, etc.)
Dietmar Fuhr (Dave Liebmann, Till Brönner, Wolfgang Muthspiel, Enrico Rava etc.)
Andreas Kurz (Neuer Deutscher Jazzpreis, Benny Golson, Don Friedmann etc.)
Rudi Engel (Ernie Watts Quartett etc.)
Gesang (bei „Das Cabinet des Dr. Caligari“): Reinette van Zijtveld-Lustig

 

Werner Küspert zu seiner Methode, die Musik zu einem Film zu entwickeln:

Im Jazz ist es ja ganz besonders wichtig, nicht nur einen eigenen Stil, sondern eine eigene improvisatorische Sprache zu entwickeln. Ich glaube, dass alle meine Musiker einen eigenen, unverkennbaren Stil gefunden haben, für den bei unseren Stummfilm-Projekten sehr viel Raum ist.

Ich habe nicht nur komplette Stücke geschrieben, sondern auch relativ komplexe Strukturen geschaffen, innerhalb derer sich die Musiker improvisatorisch bewegen und vor allem in Interaktion zueinander treten und zudem auf die Bilder reagieren bzw. Bild- und Filmsequenzen musikalisch vorbereiten.

Unser Verfahren, dem Film einen Ton zu geben, ist recht komplex und nebenbei ganz schön anstrengend, auch physisch. Die traditionelle Stummfilmbegleitung war in der Frühzeit des Kinos für die Musiker relativ unkompliziert: die Pianisten hatten ein freies Repertoire, da wurde nach Herzenslust drauf los gespielt. Für Ensembles war die Sache schon etwas komplexer, aber immer noch überschaubar: fertige Partitur, der Dirigent muss zwar auf den Film reagieren – letztlich die gleiche Situation wie bei der Oper, im Ergebnis mit ebenso geringen Risiken und ebenso vorhersehbar, da ja vorwiegend vorgefertigt.

Bei uns läuft das so, dass wir ein komplettes Film-Manuskript haben (ich habe quasi nachträglich ein Drehbuch geschrieben mit Time-Code), in dem die Kompositionen und improvisatorischen Strukturen notiert sind. Es müssen also alle Musiker sowohl das Manuskript verfolgen, den Film natürlich, auf mein Dirigat achten und immer musikalisch im Blick haben, was die Kollegen gerade ad hoc komponieren (also improvisieren).

Nach ca. dreißig verschiedenen „StummFilmLiveJazz“-Projekten (in sehr unterschiedlichen Besetzungen) glaube ich, ein Verfahren gefunden zu haben, das für die Musiker genügend Freiraum lässt, aber dennoch so klare Strukturen schafft, dass auch komplexere Kompositionen Platz haben.

Das ist oft ganz schön kompliziert und verlangt uns Musikern so viel an höchster Konzentration ab, wie ich es sonst eigentlich in keiner anderen Bühnen-Situation erlebe.

Der Begriff „zeitgenössischer Jazz“ ist leider nur sehr vage, aber mit engeren Definitionen kann ich leider nicht dienen. Vorbilder habe ich eigentlich keine; es gibt natürlich sehr, sehr viele Musiker und Komponisten, die mich beeindrucken und zu denen ich ehrfurchtsvoll aufschaue, aber ich hatte nie das Bestreben, so zu klingen wie einer der großen Meister.

 

 

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